Presseberichte aus den Lokalredaktionen im Jahr 1932

Hier finden Sie die uns vorliegenden Presseberichte aus den Bonner und Beueler Lokalredaktionen sowie aus der Fachpresse (rechte Spalte). Wir danken allen Beteiligten, die uns dieses Archiv ermöglicht haben.

Diese Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sofern Sie über weitere Artikel verfügen, die Sie hier nicht vorfinden, wäre es nett, wenn Sie uns diesen zur Verfügung stellen und die Erlaubnis zur Veröffentlichung geben würden.

Unter den Artikeln befindet sich der jeweilige Quellenhinweis. Beim Anklicken der Artikel öffnet sich die vergrößerte Darstellung. Texte, die sich auf großen Verlagsbeilagen befinden und an dieser Stelle nicht lesbar sind, finden Sie nochmals separat in lesbarer Größe.

Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern in alten Zeiten!


17.09.1932 Beueler-Zeitung - Kehraus-II
11.09.1932 Beueler-Zeitung - Kehraus-I
10.09.1932 Beueler-Zeitung - Bericht
10.09.1932 Beueler-Zeitung - Kurfuerst
06.08.1932 Beueler-Zeitung - Platzversteigerung
 


 

Presseberichte lesen leicht gemacht: Artikel vom 10.09.1932 (Bericht)

Pützchens Markt

Zum morgigen Sonntag beginnt wieder der altbekannte und beliebte Pützchens Markt. Wiederum werden große Menschenmassen zusammen strömen und die dargebotenen Herrlichkeiten bestaunen und genießen. Was anderswo banal wirkt, hier auf Pützchens Markt ist es etwas Besonderes, das keiner versäumen will. Alle Arten von Schaustellungsunternehmungen sind vertreten. Der billige Jakob, der seine Waren schier "verschenkt", thront neben dem "lecker, lecker ist der Zuckerbäcker". Für Speis und Trank ist reichlich gesorgt, neben den Bierzelten dürfen auch die Kenner und Liebhaber eines guten Rhein- und Moseltröpfchesn voll auf ihre Kosten kommen. Diesen ganz besonders wollen wir den guten Rat erteilen, nur ja nicht an dem Weinzelt der Firma Franz Emmel aus Boppard, dass neben der Schule steht, wobei zu wandern, ohne ein zu kehren. Der Schreiber dieser Zeilen kennt diese solide Firma und kennt auch deren feine Tröpfchen, die in diesem Zelt "verschänkt" werden, und kann die mit gutem Gewissen empfehlen. Wie viele Hoffnungen knüpfen sich in den Herzen der Geschäftsleute und Unternehmer an die Tage von Pützchens Markt. Mögen ihnen ihre Hoffnungen und Wünsche in Erfüllung gehen!

Neu ist in diesem Jahre die Verkehrsregelung, die wesentlich einfacher ist sonst Jahre gestaltet wird. Mit Rücksicht auf die allgemein bestehenden Notverhältnissen wird in diesem Jahr erstmalig von der Erhebung einer besonderen Gebühr für die Zulassung zur gewerbsmäßigen Personenbeförderung Abstand genommen. Auch wird erstmalig die polizeiliche Abnahme der Fahrzeuge für die gewerbsmäßige Personenbeförderung fortfallen. Auch An- und Abfahrt der Fahrzeuge wird einfacher gehandhabt. Die Fahrzeuge werden in zwei Klassen eingeteilt und zwar in Fahrzeuge bis zu 5 t und solche über 5 t. Die bis zu 5 t nehmen die Anfahrt von der Siegburgerstraße - Pützchens Chaussee bis zur Gastwirtschaft Neff (Ausladen). Von hier ist Weiterfahrt bis zum Wendepunkt an der Fahnenfabrik. Die genannten Fahrzeuge fahren auf dem gleichen Wege wieder zurück ist zu ihrem Ausgangspunkt. Die Fahrzeuge über 5 t fahren ab von der Siegburgerstraße über die Provinzialstraße - Karmeliterstraße bis zum Friedhof Pützchen. Dort ist Ausladepunkt. Diese Fahrzeuge fahren auf dem gleichen Wege ebenfalls wieder zurück. Pferdefuhrwerke werden nicht mehr zugelassen. Für den Durchgangsverkehr sind Friedensstraße, Karmeliter Straße, der Pützchens Weg von Pützchens-Bedingungen und der Anstaltsweg vollständig gesperrt.

Als besonderes Ereignis für den diesjährigen Pützchensmarkt ist die Diamantene Hochzeit der Schausteller-Eheleute Lemoine zu vermerken, die seit vielen vielen Jahren den Pützchens Markt mit ihren Zirkusunternehmen besuchen. An diesem seltenen Fest werden die gesamten Schausteller und viele Besucher des Jahrmarktes teilnehmen. Das Jubeljahr wünschte die Feier ausdrücklich auf Pützchens Markt. Wir wünschen dem nun war, in dem sich ein gut Stück Pützchens Markt-Geschichte uns verkörpert, dass es noch manches Mal seine zirkensischen Künste auf dem Pützchens Markt produzieren möge und für dieses Mal eine ganz besonderes Gute Einnahme. Und nun möge uns der Wettergott hold sein und Frau Sonne ihre Strahlen auf die froh bestimmten Scharen niedersenden, zum Segen ganz besonders unserer näheren Landsleute, der Pützchener Heckenwirte!

 

Presseberichte lesen leicht gemacht: Artikel vom 10.09.1932 (Kurfuerst)

Der Pützchens Markt übte seit alters her seine Anziehungskraft auf die rheinische Bevölkerung von nah und fern aus. Hohe und höchste Herrschaften besuchten in früherer Zeit den Jahrmarkt und suchten hier Abwechslung und Erholung von "ihrem Alltag". Unser Mitarbeiter M. Weilerswist gibt nachstehend eine kleine Abhandlung über den Kurfürsten Clemens August, der zur Zeit seiner Residenz in Bonn ein ständiger Besucher von Pützchens Markt war.

Kurfürst Clemens August von Köln war einer der reichsten und einflussreichsten Fürsten der deutschen Lande. 1723 wurde er zum Erzbischof gewählt, war aber zugleich Bischof von Paderborn, ferner zu Münster, Hildesheim und Osnabrück, auch bekleidete er die Würde des Hochmeisters des Deutschen Ordens, die mit einem Besitz eines kostbaren Schatzes verbunden war. Er war ein tüchtiger Regent und verwendete seine großen Einkünfte zum Besten seiner Untertanen. Unter seinen vielen herrlichen Bauten seien erwähnt die Schlösser zu Brühl und Poppelsdorf, das Koblenzer Tor und das Rathaus zu Bonn, die Vinea Domini sowie Röttgen im Kottenforst.

Im Jahr 1727 ging Clemens August nach Rom bei Papst Benedikt XIII in selbst zum Bischof weihen wollte. Die Weihe fand am 9. November dieses Jahres unter großen Feierlichkeiten in dem Dominikaner Kloster Viterbo statt.  Der Papst erhielt als Geschenk: ein goldenes Kreuz, sechs goldene Leuchter mit Juwelen geschmückt, ein Rosenkranz von sehr schönen Perlen, dessen dicke Kugeln in Gold gefasste Smaragde waren, eine Medaille in Gold, ein Kreuz mit Diamanten, ein goldenes Kästchen enthaltend Reliquien und einen Wechsel über 24.000 Reichstaler. Clemens August besuchte dann mit der Großherzogin Viola von Toskana, Neapel und Rom und trat am 30. Dezember die Rückreise nach Bonn an.

Trotz der großen Einkünfte hinterließ der Kurfürst bei seinem Tode im Jahre 1761 ansehnliche Schulden. Im Volke aber lebte ein Andenken noch lange fort, es prägte unter seinem sparsamen Nachfolger Max Friedrich den Vers: "Bei Clemens August trug man blau und weiß, da lebte man in Paradeis."

Clemens August war außerordentlich leutselig und nahm an allen Volksfestlichkeiten teil. So errang er 1737 bei dem Bonner Schützen die Königswürde. Stets aber besuchte er den Jahrmarkt in Pützchen. Hier setzte er einmal auf die höchst belustigen der Art der Verkäuferinnen von irdenen Töpfen und Geschirr in einen unerwartet ergiebigen Absatz ihrer Ware. Bemerkt sei, dass sich damals der Markt an der Straße nach Küdinghoven abspielte, der Platz an der Kirche aber den Töpfern eingeräumt war. Der Fürst, für dessen Kutsche ein weiter Weg gelassen war, ließ anstatt beim Kloster vorzufahren, gleichsam als ob es zufällig geschähe, in die dort ausgebreiteten Töpferwaren hineinfahren. Sein Wagen richtete naturgemäß eine große Verheerung an. Die Weiber waren wütend und klagten und schimpften ob ihres vermeintlichen Verlustes. Den Kurfürsten belustigte das alles außerordentlich. Schließlich zog er seine gespickte Börse und verteilte den Inhalt unter den erzürnten Frauen, deren Leid sich in jähe Freude verwandelte ob dieses schnellen und lohnenden Geschäfts.

 

Presseberichte 1932 - Lesen leicht gemacht!

Da die Schrift in den Zeitungsberichten in der heutigen Zeit nicht so einfach zu lesen sind, haben wir uns hier die Mühe gemacht, die wichtigsten Artikel, nochmal in Textform hier einzustellen. Das macht das Schmökern in alten Zeiten noch einfacher und interessanter!

Viel Spaß dabei!

 

Presseberichte lesen leicht gemacht: Artikel vom 11.09.1932 (Kehraus I)

Pützchens Markt ist vorbei. Auch in diesem Jahr haben wieder Hunderttausende den Markt aufgesucht, vielleicht mehr wie sonst, wenigstens an den Werktagen, da mancher sich dort die Zeit mangels einer besseren Beschäftigung angenehm vertreiben konnte. Der Jahrmarkt ließ fast durchwegs die sonst immer vorhandenen ganz großen Schaustellungen vermissen, auch ein Zeichen der Geldknappheit, da sich anscheinend deren Aufstellung für drei Tage nicht mehr zu lohnen scheint. Auch wurde überall sehr auf den Pfennig gesehen, und mussten sich die Geschäftsleute und Unternehmer auf die geringere Kaufkraft des Publikums einstellen. Man merkte, dass bereits an der Brücke an den billigen Fahrpreisen der Autos. Der Umstand, dass die Gemeinde diesmal zum ersten Male seine Abgaben von den Autofahrern erhob, scheint günstig gewirkt zu haben. Es wird erzählt, das haben wieder Hunderttausende den Markt aufgesucht, viel eben, sondern von oben herunter diktiert worden, da sintemalen die Autobesitzer schon hohe Lasten zu tragen hätten. Wir bringen diese Version nur, weil sie erzählt wird, eine Bestätigung der Meldung von amtlicher Seite haben wir nicht. Es könnte ja auch anders sein, wie sagt der Dichter: "Die Welt die liebt das strahlende zu schwärzen!"

Die Polizei hatte an den Tagen wieder die Hände voll zu tun. Nicht nur der Riesenverkehr musste in geordnete Bahnen gelenkt, es musste auch Eigentum und Leben in besondere Hut genommen werden. An Pützchens Markt treibt sich ja alljährlich allerhand Gesindel auf dem Markt und der Umgebung umher, das nur auf günstige Gelegenheiten wartet, auf Raub auszugehen. So wurde in diesem Jahre auf dem Güterbahnhof neue der Reisewagen eines Zuckerbäckers aufgebrochen und seines Inhaltes beraubt. 50 Pfund gebrannte Mandeln, 30 Pfund Honigkuchen, 15 Pfund Makronen, 125 Tafeln Schokolade, Pfefferminzrollen und zehn Pfund Bonbons waren die Beute der Räuber. Möglicherweise wurden die Leckereien auf einem anderen Stande verkauft.

Am Sonntagnachmittag wurde auch ein gewerbsmäßiger Taschendieb dingfest gemacht, diese Sorte ist bei solchen Gelegenheiten immer vertreten. Am vergangenen Montag allein wurden nicht weniger als neun Taschendiebstähle gemeldet, ohne dass die Diebe erwischt wurden. Besonders viele Taschenuhren wurden gestohlen. Auch ein Mann, der sich sittlich an einem Kinde vergangen, wurde verhaftet. Auch vier Fahrräder wurden gestohlen. Die von der Aufsichtsbehörde angeordnete neue Verkehrsregelung hat sich nicht bewährt und musste man schon in den ersten Stunden zu der früheren Ordnung zurückkehren. In der Friedenstraße wurde ein Kind durch ein Motorrad verletzt. In der Unterführung stießen ein Auto und ein Motorrad zusammen, es gab nur Sachschaden und Hautabschürfungen. Auf der Wache der Sanitätskolonne musste man in ca. 50 Fällen wenn auch nicht besonders schwerer Art eingreifen. In einer Hauswirtschaft kam es zu einer heftigen blutigen Schlägerei, bei der die Polizei Ordnung schaffen musste. In der Dienstagnacht kam es in der Friedenstraße zwischen Marktbesuchern zu einer Auseinandersetzung, bei der eine Frau einen Mann heftig in die Hand ließ. Der Westdeutsche Rundfunk verewigte am Dienstagnachmittag mehrere Stunden lang den Marktbetrieb auf Wachsplatten. Heute Mittwochabend ist unter den Schaustellern wie alljährlich als Kehraus der Schlussball bei dem auch die Diamantene Hochzeit des Schaustellerehepaares Lemoine gebührend gefeiert wird.

 

Presseberichte lesen leicht gemacht: Artikel vom 17.09.1932 (Kehraus II)

Zu unserem diesbezüglichen Artikel in voriger Nummer wird uns aus dem Leser Kreise mitgeteilt, dass die Aufhebung der Sondergebühr für Personenfuhrwerke zum Pützchens Markt in der Tat nicht freiwillig geschehen ist, sondern dass diese Maßnahme vom Oberpräsidenten in Koblenz verfügt wurde. Seit langen Jahren erhob die Gemeinde aufgrund einer alten Verordnung von den Vorgarten, die Personen zu dem Pützchens Markt beförderten eine Sondergebühr - in Höhe von 20 DM. Gegen diese Gebühr sind nun verschiedene Verkehrsunternehmen beim Oberpräsidenten angegangen und dieser hat diese Verordnung aufgehoben. Der Rathausberichterstatter geht die Berichte in die Presse brachte, hat es also nur unterlassen anzugeben, wo die Einsicht der wirtschaftlichen Notwendigkeit der Aufhebung der Gebühr sich befunden hatte. Wir uns noch mitgeteilt wird, hat sich die Verwaltung gegen die Maßnahme des Oberpräsidenten energisch gewehrt, drang mit ihrer Ansicht jedoch nicht durch.