Zeittafel Pützchens Markt - Die wichtigsten Daten

  • Ca. 1000 n. C.: Es herrschte im Rheinland eine große Dürre - St. Adelheid stieß ihren Stab in die Erde und es entstand ein "Pützchen", ein kleiner Quell. In der Folge entwickelte sich das Brünnchen zur Wallfahrtsstätte, an der sich Händler und Gaukler einfanden.
  • 1367 Erste Erwähnung des Pützchens Markt.
  • 1679 Am Brunnen entstand eine Kapelle und ein kleines Badehaus. Als der Andrang der Pilger immer größer wurde, entschloss sich am 24. Juli 1679 die damalige Äbtissin von Vilich, Margareta von Gevertzhaen, zur Stiftung einer Kaplanei in Pützchen.
  • Ca. 1737 Kurfürst Clemens August besuchte den Jahrmarkt in Pützchen und ließ seine Kutsche absichtlich in den am Brünnchen aufgebauten Töpfermarkt hineinfahren. Er hatte außerordentlich Spaß an seiner Zerstörung der Töpferwaren, bezahlte aber den wütenden Händlerinnen ihren Schaden.
  • Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Pützchens Markt zum alljährlichen Treffen zahlreicher Schaustellerfamilien.
  • 1892 Pützchens Markt fällt wegen Cholera aus.
  • 1939 waren die Vorbereitungen für das Fest schon beendet, als der Krieg ausbrach - alles musste abgebrochen werden.
  • 1939-1944 Pützchens Markt fällt im Krieg aus: Das Fest wurde mit dem Hinweis auf Verdunkelung und Luftschutzmaßnahmen verboten.
  • 1942 Die Wallfahrtskirche wird durch Bombenangriff zerstört.
  • 1945 Erster armseliger Markt nach dem Krieg. Der Wiederaufbau war wegen der Notzeit entsprechend schwierig.
  • 1946 Die ersten Schausteller kommen wieder.
  • 1948 Ein "Fressmarkt" nach der Währungsumstellung. Selbstgebrannter Schnaps floss reichlich.
  • 1949 Es gab wieder Bier und echten Wein. In mehr als 10 Zelten wurde das 10-14% Vollbier verkauft.
  • 1950 Die Gästezahl wurde schon wieder auf etwa 500.000 geschätzt.
  • 11.09.2001 Pützchens Markt wurde frühzeitig nachmittags nach den Anschlägen des 11. Septembers auf das World Trade Center in New York abgebrochen.
  • 13.04.2010 Gründung des Vereins Freundeskreis Pützchens Markt e.V.

Geschichte des Pützchens Markt - ausführlich

Als um das Jahr 1000 nach Christus im Rheinland eine große Dürre herrschte und die Menschen St. Adelheid, die erste Äbtissin von Vilich, um Hilfe baten, stieß diese ihren Stab in die Erde und es entstand ein "Pützchen", ein kleiner Quell. In der Folge entwickelte sich das Brünnchen zur Wallfahrtsstätte, an der sich Händler und Gaukler einfanden und somit im Jahr 1367 einen Markt entstehen ließen, der sich zum heutigen Pützchens Markt entwickelte.

Im Detail:

Am sogenannten Pluutemaat lassen sich die Ursprünge des Jahrmarktes Pützchen ablesen. Während heutzutage das Vergnügen im Mittelpunkt steht, hatten die Märkte im Mittelalter eine wichtige Funktion im Wirtschaftsleben. Sie wurden hauptsächlich an Wallfahrtsorten abgehalten, so auch in Pützchen, dessen Jahrmarkt auf eine fast 650 jährige christliche Tradition zurückblicken kann.

Um das Jahr 1000 wurde das Land von einer fürchterlichen Dürre heimgesucht. Die Trockenheit war so schlimm, dass die Bauern aus dem Westerwald ihr Vieh an den Rhein treiben mussten. Der Legende nach soll die Äbtissin Adelheidis, die das Adelheidisstift im benachbarten Vilich gründete (977), Mensch und Vieh vor dem Verdursten gerettet haben. An der Stelle, an der sie niederkniete, betete und ihren Äbtissinnenstab in den Boden steckte, entsprang ein "Pützchen", das soviel heißt wie Brünnchen. Die Menschen glaubten an ein Wunder. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Äbtissin, eine sehr kluge und gebildete Frau, ganz bewusst in Pützchen nach Wasser gesucht hat. Möglicherweise hat sie geahnt, dass sich Wasser von den Ennerthängen über der Tonschicht des Pützchener Bodens gesammelt haben könnte.

Aber daran dachten die Menschen im Mittelalter nicht. Zusätzlichen Reiz als Wallfahrtsort erhielt Pützchen durch die Kunde von Wunderheilungen. Alljährlich strömten nun viele Wallfahrer zum Grab der Äbtissin in der Stiftskirche zu Vilich und zu dem Brunnen in Pützchen, sogar aus Flandern kamen Pilger. Sie brachten Lebensmittel und typische Waren ihrer Region mit. Zunächst wurde nur getauscht. Aber schon bald stellten sich fliegende Händler und Schankwirte aus anderen Orten ein, um die Pilger zu bewirten und ihnen zugleich Waren feilzubieten. Auch Gaukler und Musikanten erkannten schnell, dass mit den Pilgern Geschäfte zu machen waren. Es entwickelte sich so früh ein regelrechter Markt Pützchens Markt war geboren.

Um 1679 dienten am Brunnen drei Eremiten, die die vielen Pilger betreuten. Schon bald entstand dort eine Kapelle und ein kleines Badehaus. Als der Andrang immer größer wurde, entschloss sich am 24. Juli 1679 die damalige Äbtissin von Vilich, Margareta von Gevertzhaen, zur Stiftung einer Kaplanei in Pützchen. Am Pützchen ereigneten sich bis ins vergangene Jahrhundert angeblich viele Wunderheilungen. Als Beleg dafür sind in einem 1696 von den Karmelitern herausgegebenen Pilgerbüchlein "Heylsamer Brunnen" 13 wunderbare Heilungen genannt. 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Pützchens Markt zum alljährlichen Treffen zahlreicher Schaustellerfamilien. Von überall kamen sie an diesen Tagen in Pützchen zusammen, um Wiedersehen zu feiern. Viele von Ihnen hingen dieser Tradition so an, dass sie nicht einmal die hohen Kosten der weiten Reise scheuten, die mitunter die ganzen Einnahmen verschlangen, die sie in Pützchen erzielten. Für sie war und bleibt Pützchen alljährlich das Endziel der Saison.

Pützchens Markt hat manchen Krieg überlebt. Die Kriege gingen vorüber wie kurze Episoden und nach jeder Zwangspause waren die Menschen wieder da, um sich aufs Neue dem fröhlichen Treiben hinzugeben. So war es auch nach dem 1. und 2. Weltkrieg. 1939 waren die Vorbereitungen für das Fest schon beendet, als der Krieg ausbrach - alles musste abgebrochen werden. Der Wiederaufbau war wegen der Notzeit entsprechend schwierig. 1949 gab es zum ersten Mal wieder Vollbier und echten Wein. 1950 wurden die Gäste schon wieder auf etwa 500.000 geschätzt.

Eine Zäsur im Kirmesgeschehen bahnte sich um die Wende zum 20. Jahrhundert an. Mit der Dampfmaschine hielt die moderne Technik Einzug auf dem Jahrmarkt. Von den Beschränkungen der Muskelkraft befreit entwickelten sich die Fahrgeschäfte in neuen Dimensionen. "Größer, höher, schneller" heißt bis heute die Devise. Und aus dem noch vor ein paar Jahrzehnten beargwöhnten fahrenden Volk ist eine Generation von dynamischen Unternehmern geworden, die in Zweireiher am Veranstaltungstisch ebenso zu Hause sind wie im Blaumann. 

Im Jahr 2010 wird Pützchens Markt zum 643. Mal abgehalten und findet traditionsgemäß auch in der heutigen Zeit am 2. Wochenende im September statt. Nur Kriege und eine Choleraepedemie unterbrachen die Tradition. Ältere Bonner erinnern sich noch an die Jahrmärkte nach 1945. Besonders 1948, im Jahr der Währungsreform, strömten zigtausend Menschen nach Pützchen. Dort gab es markenfreies Essen und die Kirmesbesucher stopften sich die ausgehungerten Bäuche voll. 

Daran braucht heute niemand mehr zu denken. Aber selbst für uns Wohlstandsbürger haben Leckereien, wie sie es nur auf einer Kirmes gibt, nichts von ihrem Reiz verloren.

Im Jahr 2010 gründete sich der Verein Freundeskreis Pützchens Markt e.V. und unterstützt seit dem die Veranstalterin, Bundesstadt Bonn, im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Pflege von Brauchtum und Tradition.

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