Der Begriff "Schaustellergewerbe" - Auszug des DSB

Seit dem 1. Januar 2002 ist der Begriff des Schaustellers und seine Berufstätigkeit in den Allgemeinen Verwaltungsvorschriften für den Vollzug des Titels III der Gewerbeordnung (ReisegewVwV), an deren Erarbeitung der Deutsche Schaustellerbund maßgeblich beteiligt war, erstmals einheitlich definiert. Dort heißt es unter Punkt 1.2:

"Von einer Schaustellereigenschaft ist dann auszugehen, wenn ein Gewerbetreibender

1. mit einem oder mehreren Betriebsstätten,
2. mit nach äußerer Aufmachung und Gestaltung volksfesttypischen Geschäften aus den Bereichen:
a) Fahrgeschäfte
b) Verkaufsgeschäfte
c) Zeltgaststätten, Imbiss und Ausschank (als Reisegewerbe)
d) Schau- und Belustigungsgeschäfte
e) Schießgeschäfte
f) Ausspielungsgeschäfte

ausschließlich oder überwiegend seine Reisegewerbetätigkeit an wechselnden Orten auf Volksfesten, Jahrmärkten, Schützenfesten, Kirchweihen und ähnlichen Veranstaltungen ausübt.
Schausteller dürfen im Rahmen der Gewerbefreiheit auch an andren Veranstaltungen teilnehmen oder sich sonst wie gewerbemäßig betätigen; ihre Schaustellereigenschaft verlieren sie nur dann, wenn solche Tätigkeiten einen weit überwiegenden Anteil einnehmen."

Keine Schausteller im Sinne dieser Definition sind zum Beispiel:

1. Hilfsdienst, Lieferanten und Verleiher, die lediglich Serviceleistungen für Schaustellerbetrieb leisten, wie z.B. Zeltverleiher,
2. Betreiber stationärer Gaststätten, die nur gelegentlich anlässlich von Volksfesten eine Zeltgaststätte betreiben, ansonsten aber nicht als Schausteller tätig sind,
3. Markthandel, der ausschließlich auf Verkaufsveranstaltungen ohne Volksfestcharakter ausgeübt wird.

Der Bund-Länder-Fachausschuss im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen hat den einheitlichen Schaustellerbegriff anerkannt.
Eine gleichlautende Definition findet sich seit Jahren in der Anwerberstoppausnahmeverordnung (ASAV) der Bundesanstalt für Arbeit.



Quellenhinweis:
Auszug aus den Internetseiten http://www.dsbev.de/das-gewerbe/begriff-des-schaustellers/ mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Schausteller Bundes e.V. 



Gewerbeordnung

Auszug aus dem Aufsatz von Margit Ramus über Schausteller in der Publikation "Szabo, Sacha (Hg.), Kultur des Vergnügens Kirmes und Freizeitparks Schausteller und Fahrgeschäfte Facetten nicht-alltäglicher Orte", Bielefeld 2009.


Noch bis ins 19. Jahrhundert zählten nahezu alle, die keinem sogenannten ehrbaren Beruf nachgingen, keinen festen Wohnsitz besaßen und daher in keine Gesellschaftsform hineinpassten, zu den Fahrenden. Das Leben war hart und gefahrenreich, denn die fahrenden Leute galten als vogelfrei.

Mit dem "Preußisch Allgemeinen Landrecht von 1794" ergaben sich grundlegende Veränderungen der rechtlichen Situation für das Fahrende Volk. Die Gewerbefreiheit wurde eingeführt und die zuständigen Behörden vergaben zum ersten Mal begrenzte Konzessionen für Schausteller, eine bestimmte Zeit in einem gewissen Territorium zu reisen. Die Form der Gewerbeausübung wurde in der Wandergewerbeordnung festgelegt.

So wurde am 9.11.1864 von der Königlichen Bezirksregierung Arnsberg der Witwe Heinrich Heitmann aus Kamen für das „Aufstellen einen Karussells mit Musikbegleitung auf einer Drehorgel im Regierungsbezirk Münster 1865“ ein Gewerbeschein ausgestellt. (Stadtarchiv von Münster. Stadtmuseum Münster 1986, S. 129).

Noch bis in die Gegenwart unterscheidet man: Fliegende Bauten, Spiel, Imbiss oder Süßwaren und Verkauf. Die Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 sowie die Verdichtung des Eisenbahnnetzes ermöglichte eine enorme Ausbreitung des Reisegebietes.

Begrifflichkeiten nach der Gewerbeordung

Die Gewerbeordung unterscheidet die unterschiedlichsten Arten von Märkten. Hier sind die wichtigsten genannt:

§ 60b Abs. 1 GewO:     Volksfest
Ein Volksfest ist eine im allgemeinen regelmäßig wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl (Anmerk.: lt Kommentar mind. ein Dutzend) von Anbietern unterhaltende Tätigkeiten im Sinne des § 55 Abs. 1 Nr. 2 ausübt und Waren feilbietet, die üblicherweise auf Veranstaltungen dieser Art angeboten werden.

§68 Abs. 1 GewO:     Spezialmarkt
Ein Spezialmarkt ist eine im allgemeinen regelmäßig in größeren Zeitabständen wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Anbietern bestimmte Waren feilbietet.

§68 Abs. 2 GewO:     Jahrmarkt
Ein Jahrmarkt ist eine im allgemeinen regelmäßig in größeren Zeitabständen wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Anbietern Waren aller Art feilbietet.